Yippie, wir starten ein Verwaltungsrebellen-Labor!

Wir haben den Zuschlag bekommen, nun ist auch der Förderbescheid da und wir dürfen endlich loslegen! Mit dem Kreis Wesel, der Stadt Essen und der Stadt Lünen haben wir uns zu dem Projekt „Verwaltungsrebellen-Labor“ zusammengeschlossen. Das Bundesinnenministerium fördert uns mit 180.000 Euro im Rahmen des Förderprogramms „Regionale Open Government Labore“. Wir freuen uns riesig über diese Anerkennung, die letztlich auch eine Anerkennung für alle Verwaltungsrebellen und -rebellinnen da draußen ist!

In einer gemeinsamen Videokonferenz haben wir nun den Förderbescheid an Landrat Dr. Ansgar Müller (Kreis Wesel),  Oberbürgermeister Thomas Kufen (Stadt Essen) und Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (Stadt Lünen) übergeben (bei Youtube gibt es neben diesem Zusammenschnitt noch die ungekürzte Fassung):

Mehr über das „Verwaltungsrebellen-Labor“ und zu unseren Plänen für dieses Jahr stellen wir in diesem Blog-Beitrag vor. Spoiler: Als eine der ersten Aktivitäten veranstalten wir am 15. September ein offenes Verwaltungsrebellen-Meetup in Essen – dazu weiter unten mehr.

Wie es dazu kam

Unsere Initiative entstand aus dem Wunsch, Verwaltungsrebellen zu bestärken. Zunächst wollten wir einfach „nur“ über einen Blog Beispiele und Methoden teilen, die zeigen, dass Verwaltung auch anders kann. Doch immer wieder begegnen uns innovative, quer denkende Menschen in Verwaltungen, die mit den Hufen scharren und mehr wollen. Sich kollegial austauschen, vernetzen, gemeinsam neue Arbeitsformen kennenlernen und erproben. Bei allem schwingt die Hoffnung mit: „Wenn wir mehr werden… Wenn wir voneinander lernen… Wenn wir uns gegenseitig den Rücken stärken – und uns so trauen, mehr auszuprobieren, den Status-quo in Frage zu stellen, … Dann könnten wir einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Art, wie wir in Verwaltungen und mit Bürger*innen zusammenarbeiten, grundlegend verändert“.

Mit dieser Überlegung sind wir auch nicht allein – das Forum Agile Verwaltung, das NExT Netz, die Stadtmacher-Akademie, das Public Service Lab, Apolitical, Politics for Tomorrow, work4Germany, das Creative Bureaucracy Festival, … all diese Initiativen vernetzen letztlich ebenfalls Keimzellen der Veränderung, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Wir freuen uns über jede einzelne davon: Je mehr solcher Initiativen, umso besser!

Doch nun zu unserer Projektidee:

Mit dem Programm „Regionale Open Government Labore“ fördert das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) im Zeitraum 2020 bis 2022 insgesamt 13 Kooperationen zwischen Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die in einem Labor neue Formen der Zusammenarbeit zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen erproben. Es handelt sich hierbei um ein Modellvorhaben im Rahmen des Forschungsfeldes „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE-BMI)“ des BMI / BBSR.

Unser Projekt „Verwaltungsrebellen-Labor“ geht von folgenden Annahmen aus:

  1. Verwaltungsrebell*innen leisten einen wichtigen Beitrag zu einer offenen, veränderungsfreudigen und menschenorientierten Verwaltungskultur.
  2. Verwaltungen sind durch einen solchen Wandel von Arbeitskultur und -praktiken besser gewappnet für Digitalisierung, demografischen Wandel und andere gesellschaftliche Herausforderungen, die Kommunalverwaltungen ein hohes Maß an Veränderungsfähigkeit abverlangen.
  3. Die Wirkung von Verwaltungsrebell*innen verstärkt sich, wenn sie gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, Erfahrungen sammeln und austauschen und sich gegenseitig den Rücken stärken.

Mit dem Verwaltungsrebellen-Labor möchten wir verwaltungsübergreifend Innovationspionier*innen stärken, indem wir einen Rahmen schaffen, um …

  • sie miteinander zu vernetzen
  • sie dabei zu unterstützen, neue Arbeitsformen zu erproben
  • ihre Erfahrungen zu verbreiten

Entsprechend setzt sich unser Projektansatz aus drei Bausteinen zusammen (wobei Baustein 1 und teilweise auch Baustein 2 gefördert werden und wir Baustein 3 weiterhin ehrenamtlich als Eigenleistung erbringen):

  • Baustein 1: Vernetzen & Mobilisieren: Wir etablieren Vernetzungsangebote, mit denen wir Innovationspionier*innen fachbereichs- und verwaltungsübergreifend zusammenbringen und ihnen ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu motivieren, neue Wege auszuprobieren.
  • Baustein 2: Ausprobieren und Erfahrungen sammeln: Wir bieten wir einen Rahmen, um im Rahmen von Baustein 1 angestoßene Ideen gemeinsam bzw. kollegial unterstützt in der Praxis weiterzuverfolgen, Lösungen zu Herausforderungen der Verwaltung zu entwickeln und umzusetzen und neue Arbeitsweisen zu erproben – innerhalb der Verwaltungen, zwischen Verwaltungen und zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft.
  • Baustein 3: Erfahrungen verbreiten: Wir bereiten Erfahrungen auf und streuen sie über etablierte Kanäle (etwa über den Verwaltungsrebellen-Blog, Twitter und Veranstaltungen) und machen sie so über das Labor hinaus verfügbar.

Die Bausteine und Formate werden in gewissen Kontingenten durch Beteiligte aus den Partner-Kommunen besetzt, sollen aber ausdrücklich auch offen sein für Innovationspionier*innen anderer Verwaltungen und Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft.

Die Formate des Verwaltungsrebellen-Labors im Einzelnen

1 x pro Jahr ist ein großes Vernetzungstreffen geplant. Ziel ist es, Innovationspionier*innen und neugierige Menschen aus verschiedenen Bereichen der Verwaltung „anzulocken“ und miteinander zu vernetzen. Statt der auf Tagungen häufig üblichen weitgehenden „Musik von vorn“ setzt das „Camp-Format“ auf breite Beteiligung von allen Seiten. In Workshops sollen konkrete Veränderungen angezettelt werden – man kann miteinander ins Machen kommen und sich auch für weiteres Ausprobieren und Austauschen über das Camp hinaus verabreden. Zugleich erleben alle die neue Arbeitskultur „live“.

Meetups sind „die kleinere Nummer“. Sie bieten alle 4-6 Wochen eine regelmäßige Anlaufstelle für Innovationspionier*innen, die sich hier über Methoden und Praxiserfahrungen austauschen, sich zu konkreten Fragestellungen kollegial beraten oder Mitstreiter*innen für Vorhaben gewinnen können. Die Meetups sollen an wechselnden Orten innerhalb und außerhalb der Verwaltungen stattfinden. Neben themenoffenen Meetups werden auch solche mit thematischen Schwerpunkten angeboten. Meetups können zum z. B. als „Lean Coffee“ organisiert sein (weitere Infos zum Format: https://verwaltungsrebellen.de/lean-coffee/).

Der Wunsch, über eine Kooperationsplattform den direkten Austausch zwischen Innovationspionier*innen in den Verwaltungen zu ermöglichen, besteht schon, seitdem es den Verwaltungsrebellen-Blog gibt. Das Projekt ermöglicht nun, eine solche Plattform zu erproben. Sie bietet die Chance, Dokumente und Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen, gezielt andere Verwaltungsrebell*innen mit ähnlichen Arbeits- oder Interessensschwerpunkten zu finden und gemeinsam an Vorhaben zu arbeiten.

Ein allzu bekanntes Problem: Gute Ideen, die Mitarbeiter*innen im Austausch mit anderen entwickeln, gehen im Alltag schnell verloren. Damit das nicht passiert, unterstützt sich in einem Zirkel oder einer „Lernexpedition“ eine Gruppe von Verwaltungsrebell*innen gegenseitig dabei, eigene Lern-, Experimentier- und Veränderungsvorhaben tatsächlich zur Umsetzung zu bringen. Regelmäßige Treffen und eine strukturierte Methodik bieten den Teilnehmer*innen einen Rahmen, um konkrete, realistische Schritte zu planen. Die Resonanz der Gruppe bereichert die eigenen Überlegungen und hilft – vergleichbar mit einem Lauftreff – dabei, am Ball zu bleiben.

Bei der Durchführung konkreter Vorhaben kann eine Prozessbegleitung sinnvoll sein (Moderation von Workshops u. Werkstätten, methodisches Coaching, kleinere Qualifizierungseinheiten, …). Aufgrund des knappen Budgets ist es nicht möglich, eine derartige Unterstützung durch die Fördermittel abzudecken. Sie wird daher entweder durch interne Moderator*innen der Partner-Kommunen geleistet oder gesondert extern beauftragt. Die Initiative Verwaltungsrebellen und der Kooperationspartner Impact Hub Ruhr haben zugesagt, ein bestimmtes Kontingent an Unterstützungsleistung zu deutlich reduzierten Tagessätzen anzubieten.

In dem Blog wird es kontinuierlich weitere Beiträge geben – wie bisher eine Mischung aus der Vorstellung von Verwaltungsrebell*innen und methodischen Impulsen. Zusätzlich wird der Blog nun auch dem Transfer von Erfahrungen aus dem Verwaltungsrebellen-Labor dienen. Ergänzend werden auch weitere Verbreitungswege „bespielt“, z. B. über Twitter, Vorträge, Beiträge in Barcamps u.ä.

Allem liegt als Grundhaltung das Manifest der Verwaltungsrebellen zugrunde:

Was wir in diesem Jahr noch vorhaben

Wir haben uns direkt in die Planung verschiedener Aktivitäten zu Vernetzung und Mobilisierung von Verwaltungsrebell*innen (Baustein 1) gestürzt:

Die Idee eines großen Verwaltungsrebellen-Camp, das uns eigentlich schon länger als Ausgangspunkt für Vernetzung durch den Kopf spukte, verfolgen wir in der aktuellen Pandemie-Situation nicht weiter und verschieben es auf Frühjahr 2021.

Stattdessen setzen wir verstärkt auf Vernetzungsangebote in kleineren Kreisen. Neben ersten Vernetzungstreffen der Projektverwaltungen untereinander findet am 15. September ein offenes Verwaltungsrebellen-Meetup im Impact Hub Ruhr (Essen) statt. statt. Weitere Infos und Anmeldung gibt’s hier.

Einladung zum Verwaltungsrebellen-Meetup!

WANN: 15. September 2020, 16:30-19 Uhr
WO: Impact Hub Ruhr (Heinrich-Reisner-Platz 1, 45127 Essen)
KOSTEN: keine
WEITERE INFOS und ANMELDUNG: hier bei Eventbrite
(am besten flott anmelden, die Teilnehmer*innenzahl ist auf 24 begrenzt)

Meetup-Teilnehmer*innen, die ihre Ideen nach dem Treffen gemeinsam weiterverfolgen möchten, können sich zu Verwaltungsrebellen-Zirkeln zusammenschließen (zur Methode gibt’s weitere Infos bei dem Meetup und auch bald hier im Blog).

Zudem möchten wir noch in diesem Jahr ein digitales Verwaltungsrebellen-Netz an den Start bringen, über das Verwaltungsrebellen sich miteinander vernetzen und Wissen austauschen können und das gleichzeitig als Kooperationsplattform für gemeinsame Aktivitäten dient.

Und auch in Bezug auf das gemeinsame Experimentieren (Baustein 2) konnten wir bereits mehrere Themen identifizieren, die alle drei Partner-Kommunen beschäftigen:

In dem Handlungsfeld „Neue Räume, Neue Arbeit“ tauschen die Partner Ideen für zukunftsweisende Raumkonzepte und die Weiterentwicklung der mobilen Arbeit aus. Der Kreis Wesel hat hierzu bereits intern Ideen-Workshops und eine Ideenbörse durchgeführt und dazu auch Kolleg*innen aus den Partner-Verwaltungen eingeladen. In weiteren Workshops werden die Ideen nun weiterentwickelt und erste Erprobungen starten noch in diesem Jahr.

Im Rahmen einer Werkstatt könnten die Partner zudem Lösungen für akute Raumprobleme entwickeln, die es in allen drei Verwaltungen gibt.

Für die Stadt Essen zum Beispiel ist das Thema nicht nur in Bezug auf das Großprojekt „BürgerRatHaus“ relevant, sondern auch schon früher und eine Nummer kleiner, wenn im Laufe des Jahres ein Team aus „Digital-Lotsen“ im Rathaus einziehen soll, für die aber aktuell „noch kein Platz in der Hütte“ ist…

Insgesamt also ein spannendes Experimentierfeld: Wie beeinflussen sich die räumliche (oder räumlich verteilte) Arbeitsumgebung und Arbeitskultur wechselseitig?

Die „Vernetzung und Befähigung von Digital-Lotsen“ innerhalb der Projekt-Verwaltungen, aber auch zwischen den Verwaltungen ist ein weiteres gemeinsames Handlungsfeld, das wir gut mit den Formaten des Verwaltungsrebellen-Labors unterstützen können. Gemeinsam mit Digitalen Lotsen können dann auch mögliche Prozesse identifiziert werden, die die Partner zum Anlass nehmen können, um im Rahmen des Verwaltungsrebellen-Labors mit der nutzerorientierten Digitalisierung von Verwaltungsleistungen zu experimentieren. Das wird aber eher ein Thema für das nächste Jahr sein.

Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Arbeit und sind ganz neugierig und gespannt, welche Bewegung in Gang kommt, wenn die vielen kleinen Keimzellen der Veränderung sich vernetzen und neue Keimzellen aktiviert werden. Vielleicht wird aus vielen kleinen Rebellen-Zellen irgendwann eine Rebellen-Welle?

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Wir freuen uns über Fragen und Anregungen zum Projekt – entweder direkt an uns oder an die Ansprechpartner*innen in den Partner-Verwaltungen:

  • Kreis Wesel: Anne Janssen () und Annika Landgraeber ()
  • Stadt Essen: Peter Adelskamp ()
  • Stadt Lünen: Nicole Niermöller () und Denise Hochschulz ()

 

4 Kommentare

  1. Knut Hüneke sagt:

    Toller Erfolg, Glückwunsch. Und das mit einem solch „erfrischenden“ Ansatz. Respekt.

  2. Dorothea Herrmann sagt:

    Danke an euch beide für die Glückwünsche!
    Wir schwitzen gerade ein wenig, all das zu organisieren und an den Start zu bringen, was wir den Verwaltungsrebell*innen als Rahmen für ihr Kennenlernen, Vernetzen und Zusammenarbeiten versprochen haben 🙂 Aber das Projekt spornt uns echt an!

  3. Rene Werner sagt:

    Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg. Beste Grüße aus dem Emsland

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